Aufstellungsfiguren sind weit mehr als kleine Objekte auf einem Tisch. Sie dienen als räumliche Repräsentationen von Personen, Rollen, Abteilungen, Prozessen oder inneren Anteilen und ermöglichen es, komplexe Systeme sichtbar, begreifbar und bearbeitbar zu machen. In der systemischen Beratung, Organisationsentwicklung, Mediation, in der Psychotherapie und im Coaching werden sie eingesetzt, um Beziehungen, Dynamiken und Strukturen zu externalisieren und dadurch neue Perspektiven und Lösungen zu eröffnen.
Die systemische Theorie geht davon aus, dass nicht die Figur selbst entscheidend ist, sondern die Beziehungskonstellation, die sie im Raum repräsentiert (Schneider, 2000). Figuren wirken dabei als Projektionsflächen, deren Bedeutung primär durch Größe, Position und Kontext entsteht.
Doch nicht jede Figur eignet sich gleichermaßen für diesen Zweck. Die Frage, was eine gute Aufstellungsfigur ausmacht, ist sowohl aus praktischer als auch aus wissenschaftlicher Sicht relevant.
Erkenntnisse aus der Systemtheorie, der Wahrnehmungspsychologie, der Embodied-Cognition-Forschung sowie Erfahrungen aus der Aufstellungspraxis zeigen, dass bestimmte Eigenschaften die Wirksamkeit von Aufstellungsfiguren erheblich beeinflussen (Arnheim, 1974; Wilson, 2002; Lakoff & Johnson, 1999).
Systemische Aufstellungen basieren auf dem Prinzip der Externalisierung. Innere Bilder, Beziehungen und Strukturen werden in den Raum übertragen und dadurch beobachtbar gemacht. Jakob Schneider beschreibt Figuren als räumliche Projektionsflächen, deren Bedeutung nicht in der Figur selbst liegt, sondern in ihrer Position innerhalb eines Beziehungsfeldes (Schneider, 2000). Die Figur ist damit kein Abbild einer Person, sondern ein Träger relationaler Bedeutung.
Für die Qualität von Aufstellungsfiguren folgt daraus: Je weniger eine Figur durch eigene Merkmale interpretiert wird, desto stärker kann sie als offene Projektionsfläche dienen.
1. Neutralität als zentrales Qualitätsmerkmal
Ein wesentliches Kriterium guter Aufstellungsfiguren ist ihre Neutralität. Figuren mit ausgeprägten Gesichtern, Emotionen, Kleidung oder kulturellen Zuschreibungen lenken die Aufmerksamkeit auf individuelle Eigenschaften und erschweren dadurch die Wahrnehmung systemischer Zusammenhänge (Arnheim, 1974; Schneider, 2000).
Aus Sicht der Gestaltpsychologie neigen Menschen dazu, visuelle Informationen automatisch zu interpretieren und mit Bedeutung zu versehen (Arnheim, 1974). Je stärker eine Figur vorstrukturiert ist, desto weniger Raum bleibt für individuelle Wahrnehmung und Projektion. Konsequenz: Gute Aufstellungsfiguren vermeiden spezifische Charaktermerkmale und bleiben bewusst offen.
Die STRUKTIES® folgen diesem Prinzip konsequent. Ihre reduzierte Form unterstützt eine offene, wertfreie Wahrnehmung systemischer Zusammenhänge.
2. Klare Orientierung im Raum
Aufstellungen basieren wesentlich auf räumlichen Beziehungen. Menschen nehmen unbewusst wahr, wer wen anschaut, wer ausgeschlossen ist oder wer zwischen anderen Positionen steht.
In der Wahrnehmungspsychologie gilt Blickrichtung als ein zentraler Faktor sozialer Interpretation (Norman, 2013). Bereits minimale Unterschiede in der Orientierung verändern die Wahrnehmung von Beziehungen erheblich.
Eine gute Aufstellungsfigur sollte daher:
Die charakteristische Form der STRUKTIES® unterstützt diese eindeutige räumliche Lesbarkeit und erleichtert damit die systemische Orientierung im Raum.
3. Reduktion fördert systemisches Denken
Komplexe Systeme lassen sich besser erfassen, wenn unnötige Informationen reduziert werden. Dieses Prinzip findet sich in der Kognitionspsychologie, im Informationsdesign und in der Systemtheorie (Simon, 2018; Norman, 2013). Menschen verfügen nur über eine begrenzte kognitive Verarbeitungskapazität. Jede zusätzliche visuelle Information erhöht die kognitive Last und kann die Wahrnehmung systemischer Muster erschweren (Simon, 2018). Gute Aufstellungsfiguren unterstützen daher nicht Details, sondern Mustererkennung.
Die STRUKTIES® folgen dem Grundprinzip: So wenig Form wie möglich – so viel Bedeutung wie nötig.
4. Haptik und Embodiment
Die Forschung zur Embodied Cognition zeigt, dass Denken nicht ausschließlich im Gehirn stattfindet, sondern eng mit körperlicher Erfahrung und räumlicher Interaktion verbunden ist (Lakoff & Johnson, 1999; Wilson, 2002).
Wenn Menschen Figuren bewegen, verändern oder neu positionieren, entstehen andere kognitive Prozesse als durch reines Nachdenken oder sprachliche Reflexion. Räumliches Handeln unterstützt Perspektivwechsel, Problemlösung, emotionale Distanz und kreative Prozesse (Wilson, 2002). Daraus ergibt sich ein zentrales Qualitätsmerkmal: Gute Aufstellungsfiguren sollten gut greifbar, stabil und intuitiv bewegbar sein. Die Materialität und Form der STRUKTIES® unterstützt diese körperlich-räumliche Arbeitsweise gezielt.
5. Unterscheidbarkeit ohne Überinterpretation
Aufstellungen benötigen klare Unterscheidbarkeit zwischen Elementen. Gleichzeitig dürfen diese Unterschiede nicht zu starken Bedeutungszuschreibungen führen. Zu starke Differenzierung kann zu vorschnellen Interpretationen führen, während zu geringe Differenzierung Orientierung erschwert (Schneider, 2000). Die Herausforderung besteht darin, Unterschiede sichtbar zu machen, ohne Bedeutungen vorzugeben. Die STRUKTIES® lösen dieses Spannungsfeld durch bewusst reduzierte, aber klar erkennbare Variationen.
6. Universelle Einsetzbarkeit
Systemische Aufstellungsarbeit wird heute in vielen Kontexten eingesetzt, darunter Organisationsentwicklung, Führungskräftecoaching, Konfliktklärung, Strategieentwicklung und persönliche Entscheidungsprozesse. Daraus ergibt sich die Anforderung, dass Aufstellungsfiguren nicht auf spezifische Rollen oder Personentypen festgelegt sein sollten.
Eine Figur sollte gleichermaßen stehen können für:
Je universeller eine Figur einsetzbar ist, desto größer ist ihr Nutzen im systemischen Arbeiten.
Die STRUKTIES® sind genau auf diese universelle Anwendbarkeit ausgelegt und ermöglichen dadurch vielfältige Einsatzkontexte.
7. Die richtigen Größen wählen: Flexibilität in der Anwendung
Die Größe von Aufstellungsfiguren beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Art der Aufstellungsarbeit. Während kleinere Figuren besonders für die Arbeit auf dem Tisch geeignet sind, unterstützen größere Formate die Arbeit im Raum und ermöglichen eine stärkere körperliche Einbindung in den Prozess (Wilson, 2002).
Die STRUKTIES® sind in unterschiedlichen Größen verfügbar und eröffnen dadurch beide Arbeitsformen: die präzise und platzsparende Tischarbeit ebenso wie die dynamische Raumarbeit. So können Berater:innen, Coaches und Organisationsentwickler:innen die jeweils passende Form für ihren Kontext wählen und flexibel zwischen verschiedenen Arbeitssettings wechseln. (Wilson, 2002; Lakoff & Johnson, 1999)
8. Ästhetik schafft Arbeitsbereitschaft
Ästhetische Qualität wird in funktionalen Kontexten häufig unterschätzt. Forschung aus Designpsychologie und Neuroästhetik zeigt jedoch, dass ästhetisch ansprechende Objekte positivere emotionale Reaktionen auslösen, Vertrauen fördern und die Nutzung unterstützen (Norman, 2013).
Eine hochwertige Gestaltung beeinflusst somit nicht nur die Wahrnehmung des Objekts, sondern auch die Bereitschaft, mit ihm zu arbeiten.
Gute Aufstellungsfiguren vermitteln dadurch auch eine Haltung gegenüber dem Prozess selbst: Wertschätzung, Klarheit und Professionalität.
Die STRUKTIES® verbinden funktionale Reduktion mit einer klaren ästhetischen Qualität, die systemisches Arbeiten unterstützt.
Was STRUKTIES® besonders macht
Die Entwicklung der STRUKTIES® orientiert sich an den zentralen Anforderungen wirksamer Aufstellungsarbeit:
Dadurch werden STRUKTIES® nicht zu Figuren, die Bedeutung vorgeben, sondern zu Werkzeugen, die Wahrnehmung ermöglichen.
Arnheim, R. (1974). Art and Visual Perception. University of California Press.
Lakoff, G., & Johnson, M. (1999). Philosophy in the Flesh. Basic Books.
Norman, D. A. (2013). The Design of Everyday Things. Basic Books.
Schneider, J. (2000). Familienaufstellung mit Einzelklienten mit Hilfe von Figuren. In: Weber, G. (Hrsg.), Praxis des Familien-Stellens. Carl-Auer.
Simon, F. B. (2018). Einführung in die systemische Organisationstheorie. Carl-Auer.
Wilson, M. (2002). Six Views of Embodied Cognition. Psychonomic Bulletin & Review, 9(4), 625–636.
